Quelle: http://ares.stocker-verlag.com/article/articleprint/200/-1/3/
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Besprechung: Die Welt, 20. Mai 2010
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"Frau, komm!" lautet der Titel eines Buches, das Ingo von Münch im Ares Verlag Graz veröffentlicht hat und in dem er ein weitgehend tabuisiertes Kapitel deutscher Geschichte dokumentiert: Die Massenvergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen durch sowjetische Soldaten in den Jahren 1944 und 1945. Im "Kultwerk West" lasen am Dienstag sechs Frauen aus dieser Dokumentation.
Mit dem Rücken zum Auditorium, sprechen sie ruhig die Texte ins Mikrofon. Auf diese Weise geben die Lesenden Einzelschicksalen der rund zwei Millionen Opfer (nur) ihre Stimme. Nie zuvor in der Geschichte wurden Massenvergewaltigungen in einem Ausmaß bekannt wie jene durch die Rote Armee. Die Ursache der extremen Brutalität und Gnadenlosigkeit der Russen sieht Autor von Münch, Jahrgang 1932 und emeritierter Professor für Staats- und Völkerrecht, in einem von der sowjetischen Obrigkeit gebilligten oder gar lancierten Racheakt als Vergeltung für die von deutscher Seite verschuldeten 27 Millionen toten Sowjets, von denen nur ein Drittel an der Front starb.
"Vergewaltigt wird im Kollektiv!" soll ein russischer Militär gesagt haben.
Ein perfides Bild wiederholt sich: Unter die Schreie der Frauen mischte sich Gelächter der Männer, die geordnet warteten, bis sie "an die Reihe" kamen. Mehrfache Vergewaltigungen waren die Regel, eine Zeugin berichtet von bis zu 60 innerhalb einer Nacht. Zu den Opfern zählten nicht nur junge Frauen, Greisinnen und Mädchen unter zehn Jahren, Bewusstlose oder Sterbende wurden noch missbraucht. Häufig wandten die Täter Waffengewalt an; auch Erschießungen von Angehörigen, die schützend eingriffen, sind in einer Vielzahl überliefert.
Als Quellen dienten dem Autor Tagebucheinträge, Zeitzeugenberichte, Briefe sowie Aufzeichnungen von Behörden und Militärangehörigen. In den von Sigrid Berenberg, Vorsitzende des Kultwerks West, ausgewählten Texten fällt auf, dass der Begriff der Vergewaltigung kaum vorkommt. Stattdessen ist von "geholt werden" die Rede, von "erwischt worden sein" oder von "Marterzeit" und "Quälereien" - Umschreibungen für das Unaussprechliche. "Viele der traumatisierten Frauen leben noch, warum wird dieses Thema jetzt erst angesprochen?" fragt Berenberg nach der Lesung in die Runde.
Eine Verdrängung aus Scham, wie sie noch heute bei Vergewaltigungsopfern zu finden ist, liegt als Antwort nahe. Ingo von Münch, in Hamburg bekannt aus seiner Zeit als Zweiter Bürgermeister zwischen 1987 und 1991, wurde über das Schicksal einer ehemaligen Schulkameradin auf das Thema und dessen gründliche Verdrängung aufmerksam. "Es ist nie zu spät" für eine Veröffentlichung wie diese, sagt er, denn "nicht auf Seiten der Opfer, sondern auf Täterseite ist die Schande!"
Die WELT, 20.5.10, Debrah Skerra
Hamburger Abendblatt, 3.11.09
„Der Autor Ingo von Münch hat auf meine Frage, warum er dieses Buch erst jetzt geschrieben hat, geantwortet: „Viele der Opfer und deren Nachfahren fühlten sich allein gelassen. Sie konnten mit niemandem über die schrecklichen Erlebnisse sprechen“.“
Die Zeit, 6.5.10
„Wer würde heute noch behaupten, dass diese massenhaften Schändungen irgendwie verständliche Vergeltungsdelikte waren? Wer könnte bestreiten, dass hier Völkerrecht gebrochen und Tausende gefoltert, erniedrigt und, wenn nicht getötet, so doch dauerhaft versehrt wurden?“
FAZ, 17.3.10
Eine unglaubliche Barbarisierung
„Der Völkerrechtler und frühere FDP-Politiker Ingo von Münch will an die Vergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen in den Jahren 1944/ 45 erinnen.“
EMMA, Frühling 2010
Deutsches Tabu - Verdiente Strafe für die Frauen der Täter?
„Der Völkerrechtler Ingo von Münch fragt sich, warum die Deutschen die an deutschen Frauen begangenen Vergewaltigungen so lange totschwiegen – und kommt auf beunruhigende Antworten.“
Berliner Morgenpost, 30.4.10
„… sein zentrales Anliegen ist richtig: Aus dem kollektiven Gedächtnis und aus den Gedanken von Männern im Krieg sollte die Vorstellung verschwinden, dass Mädchen und Frauen als „Beute“ – also wie eine Sache – behandelt werden können.“
Rheinischer Merkur, 25.2.10
Steffen Heitmann:
„Man kann dieses Buch nur erschüttert aus den Händen legen.“
Ostsee-Zeitung, 10.3.10
„Ingo von Münch – er lehrte von 1991 bis 1993 Staatsrecht an der Universität Rostock – belegt die erschütternden Schicksalsberichte sowie die Darstellungen von Tätern akribisch mit ausführlichen Quellenangaben. Dabei führt von Münch auch die Erlebnisse von sowjetischen Offizieren an, die ihnen unterstellte Soldaten von Vergewaltigungen abhielten oder diese sogar für die Missbräuche bestraften.“
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